Vollzeit-Mama aus Leidenschaft

Immer wieder mal kursieren in sozialen Netzwerken solche und ähnliche Texte:

„An alle, die meinen, dass sie immer sooo harte 8 Stunden arbeiten!!!
Ob ich arbeite? Ja, ich arbeite – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr! Warum? Ich bin MAMA!!!
Ich bin Vollzeitmanagerin, Köchin, Reinigungsdienst, Chefeinkäuferin, Lehrerin, Schiedsrichter, Erzieherin, Sanitäter, Krankenschwester, Handwerker, Taxi, ein Berater und Tröster und noch vieles mehr! Ich habe KEINEN Urlaub oder andere freie Tage, denn ich arbeite Tag und Nacht – ob ich gesund bin oder krank! Ich bin rund um die Uhr auf Abruf verfügbar! Und jetzt sag mir noch einmal jemand, seine Aufgabe wäre schwieriger als meine!!!“

Ich persönlich gehöre eigentlich nicht zu den Menschen, die solche Texte teilen oder liken. Denn ich habe es nicht nötig, mich dafür zu rechtfertigen, dass ich einfach „nur“ Mama bin – und das aus Überzeugung und Leidenschaft!!!
Und dennoch überkommt mich manchmal die Frage, was ich eigentlich den ganzen Tag so mache. Vielleicht sollte ich einfach mal nichts tun – z.B. die Kinder nicht wickeln (die Armen!), ihnen nichts zu essen geben (die Armen!!), sie nicht trösten und auch nicht mit ihnen spielen (die Armen!!!), keine Spaziergänge machen (Frischluft ist ja eh eher schädlich ;-) ) und auch keinen Haushalt machen (okay, damit könnte man evtl. noch klar kommen, wenn man jemand anderes als ICH wäre). Wenn ich das durchziehen würde, müsste ich mir allerdings gaaaanz viel Oropax besorgen und mich in irgendeinem Zimmer einsperren, sonst wär ganz schnell ich die Ärmste mit hungrigen, übermüdeten, gelangweilten und vor allem schreienden Kindern an der Backe …

Um mein „schlechtes Gewissen“ zu beruhigen, weil ich außer wickeln, füttern, spielen, spazierengehen, trösten, Essen kochen, Wäsche waschen und bügeln, putzen, … nichts tue, sorg ich aber natürlich dafür, genügend Arbeit zu haben.
So überlege ich mir beispielsweise gezielte Angebote für meine Kinder. Beim Kleinen beschränkt sich das auf Singspiele mit Armen und Beinen, Babygymnastik, Finger- und Kniereiterspiele und miteinander zu „reden“. Das Freispiel ist bei unserem Großen schon sehr routiniert. Er freut sich selbstverständlich genauso über Lieder, Fingerspiele und Kniereiter; und auch Babymassage ist jetzt wieder in, nachdem der Kleine sie bekommt. Trotzdem gehört das alles wie das Bauen mit den Duplo-Steinen, das Ansehen von Büchern sowie das Spielen mit der Murmelbahn eher zu den alltäglichen Beschäftigungen. Aber mit ein paar einfachen Freizeitbeschäftigungen kann man ihn schon auch noch glücklich machen: Das Wasser-Panschen auf der Terrasse bei 30 Grad – nur mit Windel bekleidet – machte unserer Wasserratte riesigen Spaß. Auch das Selbermachen von Fingerfarben und damit auf einem überdimensional großen Blatt Papier zu schmieren war ein solches Highlight. Dank meines Berufes mangelt es an Ideen zur Freizeitgestaltung nicht und ihr werdet hier sicher nach und nach Anregungen von mir mit Bildmaterial vom Kleinen bekommen :-)
Etwas für sich selbst zu tun, ist allerdings auch als Vollzeit-Mama erlaubt. Ich habe in der zweiten Schwangerschaft das Häkeln für mich entdeckt und erst einmal mit einem Erstlingsmützchen für den Zweitgeborenen und einer Sommermütze für den Erstgeborenen angefangen, der Vorhang für das Badezimmerfenster ist nun auch bald fertig und als nächstes steht eine Krabbeldecke auf dem Programm. Um mal aus dem Haus zu kommen und etwas nur für mich ohne Kinder zu tun, gehe ich jetzt einmal wöchentlich zu einem Aerobic-Kurs (wenn mir das nicht mehr gefällt, such ich mir was anderes ;-) ). Meine absolute Lieblingsbeschäftigung ist allerdings die Kontaktpflege zu Familie und Freunden – da findet sich auch immer ein Grund, einen Kuchen zu backen oder etwas Besonderes zu kochen :-) Die Zeit, wenn die Kinder ihren Mittagsschlaf machen, verbringe ich zumeist am Computer, wenn nichts anderes zu tun ist. Da schreibe ich Artikel und Blogeinträge für unsere Internetseiten, pflege meine Online-Kontakte und mehr weiß ich zur Zeit gar nicht zu tun am PC. (Sollte jemand Schreibarbeiten für mich haben, die ich von zu Hause aus erledigen kann bei freier Zeiteinteilung, dann her damit!!!) Wenn es mir neben all diesen Dingen tatsächlich mal langweilig werden sollte, dann mach ich mich mal daran, einen neuen Wohnzimmertisch zu mosaiken – unser alter Mosaiktisch wird zukünftig nämlich das Gästezimmer zieren.

Wenn ich mir diesen Eintrag so durchlese, dann finde ich es vollkommen in Ordnung, als Vollzeit-Mama durch das Leben zu gehen. Es gibt genügend Dinge, mit denen man sich die Zeit sinnvoll vertreiben kann. Bleibt nur eine Frage: Wer finanziert mir dieses Leben??? ;-)

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